21.09.2009   |   » zur Übersicht der Meldungen


Superbullen ermitteln beim Beutelteufel

Seit Jahren bemüht sich Aachen darum, Filmstadt zu werden. Jetzt ist man es, und keiner hat es gemerkt. Zumindest hat niemand außer ein paar zufälligen Tierparkbesuchern etwas davon mitbekommen, dass in der Nacht von Freitag auf Samstag in Aachen ein Kinofilm gedreht wurde.

Titel: «Die Superbullen». Hauptdarsteller Tom Gerhardt, Produzent Bernd Eichinger, Regisseur Gernot Roll («Buddenbrooks»). Zustande kam der Dreh auf direktestem Weg, nämlich über eine Ausschreibung unter verschiedenen Zoos. Und da waren die Öcher halt die cleversten.

Der Film spielt aber eigentlich in Köln, und der Inhalt ist geheim. Die Story entspinnt sich an einer unglaublichen Freveltat, nämlich der versuchten Entleibung des Kölnes Geißbocks durch einen Bayern-Fan.

Da Böses bekanntlich Böses gebiert, kommt es dann auch noch zur Entführung eines Tasmanischen Beutelteufels aus dem Kölner Zoo. Eben diese Szenen wurden jetzt in Aachen gedreht.

Tierparkbesucher, die zu halluzinieren glaubten, als sie über dem Eingang an der Drimbornstraße das Schild «Der Kölner Zoo sagt Auf Wiedersehen» lasen, seien an dieser Stelle beruhigt. Wir sind nach wie vor in Aachen.

Der Parkplatz vor dem Tierpark glich am Freitag Abend einer Wagenburg. Überall Material-Lkw, Mobilheime für die Prominenz und ein Catering mit den Ausmaßen eines Esstempels vom Bend. Alles ist in Eile, denn so ein Film wird heute in 28 Tagen abgedreht.

Die Crew ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen von der Continuity-Frau aus der Schweiz bis zu einer Dame, die mit osteuropäischem Akzent laute Anweisungen ruft. Anders als in Hollywood sind das hier eher Wanderarbeiter.

Aus einem Wohnwagen plötzlich ein schrecklicher Todesschrei. «So muss sich das anhören», sagt der Regisseur und geht zum ersten Drehort.

40/1, die Erste: Draußen wabern Nebelschwaden, ein Polizist bricht mit einem Käfig in der Hand in den «Kölner Zoo» ein.

Seitlich stehen zwei Wasserbecken mit Spiegelscherben drin, über die das Scheinwerfer-Licht geleitet wird. Zwei Filmschaffende rühren kräftig im Wasser. Es sieht im Film aus wie Reflexionen eines Sees. Kommt der auch im Film vor, Herr Oberbeleuchter? «Film ist Phantasie», lautet die knappe Antwort.


© EUREGIOZOO

Der Regisseur ruft: «Nicht so viel im Wasser rühren!» Und der Kameramann präzisiert: «Bitte das Wasser mit Zärtlichkeit bewegen!» Der Herr für die Spezialeffekte schürt den Nebel, der nicht anders produziert wird als der Weihrauch in der Kirche. Nur riecht er bedeutend schlechter.

Aber alles war sowieso vergebens, denn dem Regisseur ist es nicht dunkel genug. Also abwarten, was überhaupt die wichtigste Tätigkeit für Schauspieler zu sein scheint. Nebenan kreischt der Beo, der Sätze wie «Kölner sind Sch...» sagen kann. Irgendwann ist die Szene dann doch im Kasten, die jungen Damen haben richtig im Wasser gerührt, der Nebel stimmte und die Karawane zieht weiter zum Gehege des Tasmanischen Beutelteufels. Dort drehen die Eulen verwundert die Köpfe, denn die Nacht gehört doch ihnen, und dass im Nachbarkäfig ein Leopard herumläuft, gefällt ihnen auch nicht. Der kommt kurz im Film vor, dafür haben sie ihn samt Trainer eigens mitgebracht.

Jetzt ist wieder der Mann für die Spezialeffekte dran, denn der Teufel, der in echt ziemlich bösartig ist, wird von einem täuschend echten High-Tech-Gerät gedoubelt, das per Funksteuerung atmen, den Schwanz oder ein Ohr bewegen kann. Auch hier wird wieder und wieder gedreht. Mal ruft der Regisseur vom Monitor her «Der atmet zu viel, das sieht unnatürlich aus», mal stimmt der Nebel nicht, mal die Beleuchtung, mal muss der Regisseur selbst über das drollige Tier lachen, mal kommt der Kameramann mit seinem schweren Teil nicht mit. Nach zwei Stunden sind auch diese paar Sekunden abgedreht, und es geht weiter zum Affenkäfig.

«Wahnsinnige Stimmung»

Der einzige, der bisher nichts zu tun hatte und sich Zeit für ein paar artige Sätze über Aachen nimmt, ist der Hauptdarsteller. Tom Gerhardt erinnert sich gerne an seine «Lieblings-Auftritte» im Audimax, weil da «immer so eine wahnsinnige Stimmung» ist. Und in Aachen ist er auch privat öfters bei Freunden. Vor allem möchte er Tierparkdirektor Wolfram Graf-Rudolf danken, der locker und kooperativ war, als andere mit immer neuen Auflagen kamen. Auch haben beide die Gemeinsamkeit entdeckt, dass ihre Töchter sich im selben Gebiet von Namibia um die Tiere gekümmert haben, ohne voneinander zu wissen.

Irgendwann im Morgengrauen hat man vielleicht fünf Filmminuten gedreht, vielleicht auch weniger. Das war ein schöner Drehtag, sagt die Frau mit dem osteuropäischen Akzent.

 » zurück   |   » Artikel versenden   |   » RSS Feed